Der Herbst bringt die erste Erkältungswelle, die Nase ist verstopft, es kommt vermehrt zur Mundatmung. Gerade Kinder haben jetzt häufiger Schnupfen und Husten. Bis zum Schulalter können acht bis zwölf Atemwegsinfekte pro Jahr durchaus normal sein.
Was dabei oft weniger auffällt: Eine verstopfte Nase verändert auch die Atmung. Wenn Ihr Kind nicht richtig durch die Nase atmen kann, atmet es automatisch häufiger durch den Mund. Kurzzeitig ist das bei einem Schnupfen nicht ungewöhnlich. Wird Mundatmung jedoch zur Gewohnheit, lohnt sich ein genauerer Blick – besonders bei Kindern.
Warum atmen wir normalerweise durch die Nase?
Die Nase übernimmt beim Atmen wichtige Aufgaben. Sie filtert, erwärmt und befeuchtet die eingeatmete Luft. Bei einer Erkältung sind die Schleimhäute angeschwollen und die Nase produziert mehr Sekret. Darauf folgt: Die Nasenatmung wird erschwert. Damit genug Luft eingeatmet werden kann, wird hauptsächlich durch den Mund geatmet.
Das ist bei einem akuten Schnupfen völlig nachvollziehbar. Doch was passiert, wenn die Mundatmung auch nach dem Infekt bestehen bleibt?
Was macht Mundatmung mit dem Mund?
Wer häufiger durch den Mund atmet, hat oft einen trockeneren Mund. Der Speichel fehlt dann teilweise als natürliche Schutzfunktion. Er befeuchtet die Mundschleimhaut, unterstützt die Selbstreinigung und trägt zum Schutz der Zähne bei.
Eine anhaltende Mundtrockenheit kann deshalb unter anderem Mundgeruch, Zahnfleischprobleme und ein erhöhtes Kariesrisiko begünstigen. Auch bestimmte Medikamente können die Speichelproduktion reduzieren und dadurch einen trockenen Mund verursachen.
Gerade im Herbst kommt noch etwas hinzu: In beheizten Räumen kann sich die Schleimhaut zusätzlich trocken anfühlen. Wenn Sie gleichzeitig wenig trinken und viel durch den Mund atmen, bemerken Sie die Trockenheit häufig besonders deutlich.
Mundatmung bei Kindern: Wann sollte man genauer hinschauen?
Bei Kindern ist das Thema besonders interessant, weil Atmung, Zungenlage, Lippenstellung und Kieferentwicklung miteinander verbunden sind. Die aktuelle kieferorthopädische S2k-Leitlinie nennt Mundatmung ausdrücklich als orofaziale Dysfunktion (orofazial = den Mund und das Gesicht betreffend, Dysfunktion = Fehlfunktion), die bei unserer kieferorthopädischen Diagnostik berücksichtigt wird, denn solche funktionellen Faktoren können die Zahnstellung und die Entwicklung des Kiefers beeinflussen.
Das bedeutet allerdings nicht: Ein Kind mit Schnupfen und offenem Mund entwickelt automatisch eine Zahn- oder Kieferfehlstellung. Entscheidend ist vielmehr, ob die Mundatmung vorübergehend oder dauerhaft ist und welche Ursache dahintersteckt.
Schnupfen vorbei – Mundatmung bleibt?
Genau hier empfehlen wir Ihnen als Eltern zu beobachten, ob Ihr Kind nach einem überstandenen Infekt wieder überwiegend durch die Nase atmet.
Darüber hinaus ist Folgendes zu beachten:
- nächtliches Schnarchen
- trockener Mund am Morgen
- häufiges Trinken in der Nacht
- dauerhaft verstopfte Nase
Hier kommen auch andere medizinische Aspekte ins Spiel:
- Allergien
- chronische Rhinitis (= Entzündung der Nasenschleimhaut)
- anatomische Besonderheiten der oberen Atemwege
Zur fundierten Abklärung werden von uns andere Fachärzte wie HNO-Ärzte hinzugezogen.
Was können Sie als Eltern im Herbst tun?
Bei einem normalen Schnupfen steht zunächst die Behandlung des Infekts im Vordergrund. Für die Zahngesundheit helfen die bekannten Basics: regelmässig Zähne putzen, ausreichend trinken und zuckerhaltige Getränke und Snacks nicht ständig über den Tag verteilt anbieten.
Besonders wichtig ist ausserdem die Beobachtung: Verschwindet die Mundatmung wieder, wenn die Nase frei ist? Oder bleibt sie bestehen?
Wenn Sie über längere Zeit eine offene Mundhaltung, Mundatmung, Schnarchen oder Auffälligkeiten bei der Zahn- und Kieferentwicklung bei Ihrem Kind beobachten, kann eine Untersuchung in unserer Zahnarztpraxis Eglizahnmedizin in St. Gallen dabei unterstützen, einen Therapiebedarf zu ermitteln oder auszuschliessen.
Schnupfen ist normal – dauerhafte Mundatmung sollte man beobachten
Ein paar Tage Mundatmung während eines starken Schnupfens sind zunächst nichts Ungewöhnliches. Interessanter wird es, wenn Ihr Kind auch nach dem Infekt überwiegend durch den Mund atmet. Dann können Mundtrockenheit und Veränderungen der orofazialen Funktion eine Rolle spielen.
Gerade bei Kindern lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Atmung, Zungenlage und Zahnstellung. Unsere frühzeitige Einschätzung kann helfen, Auffälligkeiten einzuordnen und – falls notwendig – nicht nur als Zahnarzt und Kieferorthopädin zu handeln, sondern ganzheitlich mit anderen Fachkollegen, wie Hausärzten, Kinderärzten oder HNO-Ärzten, zusammenzuarbeiten.
(Beitrag erstellt am 23.9.2026, veröffentlicht am 13.10.2026)